Shutdown Update 19.3.2020

Gestern hat mich das MINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT, INNOVATION, DIGITALISIERUNG UND ENERGIE aus Düsseldorf angerufen und erstmalig gab es zum Thema Corona Krise ein gutes Telefonat. Seit dem 16.3.2020 stehe ich in Kontakt mit Ministerien in Berlin und Düsseldorf.

Mit Händen vor den Augen nehme ich zur Kenntnis, wie sich in der Krise „Experten“ aus der Branche und Verbände gegenseitig auf die Schultern klopfen. Sich von Mitgliedern feiern lassen um die besonderen Leistungen des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin zu loben. Diese selbsternannten Experten beginnen nun genauso in politischen Passivsätzen, wie einige Politiker, zu schwafeln. Meine Herren „Experten“, welche besonderen gelobten Leistungen gibt es in der Krise, die unmittelbar somit unverzüglich bei den Betroffenen, bei uns, ankommen? Aus eigener Erfahrung gibt es aktuell nur die funktionierenden Steuererleichterungen, siehe dazu unten Punkt 2.

Nun gab es öffentliche Webinare und Videokonferenzen, in denen Referenten für die Branche … tja eigentlich nichts fundierendes zu sagen hatten. Es braucht mehr ehrlichen Klartext. Fakten und machbare Ideen. Das Blabla und klugscheißende sich jetzt eine Stimme in der Krise verschaffen wollen … dazu besser keine weiteren Worte von mir.

Mein weiterer Gruß vom Schreibtisch meines Großvaters, mit der Tasse Kaffee in der Hand, den Blick nach vorne sowie in den Garten gerichtet – bei mir liegend meine beiden Ridgebacks.


Bundeswirtschaftsminister Altmaier und Bundesfinanzminister Scholtz haben den Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen vorgestellt. Dieser enthält folgende Maßnahmen:

  1. Das Kurzarbeitergeld wird flexibler. Unternehmen können es künftig unter erleichterten Voraussetzungen erhalten. So kann Kurzarbeitergeld unter anderem bereits dann beantragt werden, wenn zehn Prozent der Beschäftigten vom Ausfall betroffen sind.
  2. Die Liquidität von Unternehmen wird durch steuerliche Maßnahmen verbessert. Zu diesem Zweck werden die Stundung von Steuerzahlungen erleichtert, Vorauszahlungen können leichter abgesenkt werden. Auf Vollstreckungen und Säumniszuschläge wird im Zusammenhang mit den Corona-Auswirkungen verzichtet.
  3. Die Liquidität von Unternehmen wird durch neue, im Volumen unbegrenzte Maßnahmen geschützt. Dazu werden die bestehenden Programme für Liquiditätshilfen ausgeweitet und für mehr Unternehmen verfügbar gemacht, etwa die KfW- und ERP-Kredite.
  4. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Scholz werden sich auch auf europäischer Ebene für ein koordiniertes und entschlossenes Vorgehen einsetzen. Die Bundesregierung begrüßt unter anderem die Idee der Europäischen Kommission für eine „Corona Response Initiative“ mit einem Volumen von 25 Milliarden Euro.

Quelle: BMWI https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/coronavirus.html

Über die vier oben genannten Maßnahmen habe ich mit der KfW, mit Steuerberater und Banken gesprochen. „Hinten raus“ ist das Ergebnis sehr ernüchternd. Kurzfristig und einfach geht hier überhaupt nichts.


Der „shutdown“ rast durch die Veranstaltungsbranche und gefühlsmäßig geht alles den Bach runter. Trotzdem behalte ich die Ruhe und notwendige Gelassenheit, die meine Kunden von mir erwarten.

Mich erreichen aus der Branche Anrufe und Emails mit Ratlosigkeit, Verzweiflung sowie Wut. Daraus versuche ich Telefonate mit Ministerien, Ämter, Kreisverwaltungen, Banken und mit der KfW zu führen.

Alle sind sehr bemüht, alle haben vollstes Verständnis und alle versuchen ihr bestmögliches. Soweit ich überhaupt telefonisch durchkomme. Bei fast allen Rufnummern ist besetzt, Bandansagen laufen, Rufnummern sind nicht mehr erreichbar oder du fliegst nach einer gewissen Zeit eh aus der Leitung. Emails kannst du zwar versenden aber die Beantwortung wird Wochen dauern.

Updates von Leitlinien, Erlass und Verordnungen erreichen mich stündlich. Theorie und Praxis weicht vollkommen voneinander ab.

„Und wenn ich den vielfachen klugscheißenden Blödsinn von einigen Branchenexperten und Branchenvertretern lese sowie höre – meine Herren bei Ihnen ist der völlige Realitätsverlust eingetreten.“

Dies als spontaner Gruß vom Schreibtisch. Jetzt gehe ich mit meinen zwei Hunden ins Outback raus.

Vom 27.-29. März 2020 bin ich in Berlin, für die die Klartext hören möchten.

MEINE EMPFEHLUNG

„Stirbt die Wirtschaft den Corona-Tod?“

Leere Werkshallen, geschlossene Geschäfte, einbrechende Börsen – Weltwirtschaft im freien Fall. WiWo-Chefredakteur Beat Balzli und Chefvolkswirt Malte Fischer diskutieren im Podcast die Folgen für Unternehmen und Staat. 

Quelle: EinPodcast von von Malte Fischer und Beat Balzli, WirtschaftsWoche