Ein Kommentar zum Thema Loveparade von JS
Zusätzlicher Sachverstand

Das zusätzliche Gutachten wird mehr Klarheit geben. An einen Strafprozess in einer Messehalle, in dieser Größenordnung, daran kann ich mich als Sachverständiger nicht erinnern und ist meines Erachtens einzigartig.

Am 08.12.2017 beginnt der Strafprozess mit der Kernfrage, wie kam es zur dieser Katastrophe mit 21 Toten und 650 Verletzten. Nach den vorliegen Sachkenntnissen lagen wohl Planungsfehler vor, so das zusätzliche Gutachten, was der Staatsanwaltschaft meiner Meinung zu spät vorliegt. Die Bewertung von Fehleinschätzungen und Fehlplanungen obliegt nur den Fachleuten. Der Veranstalter und die Genehmigungsbehörden sind zu hören. Das Kernthema wird Kapazitäten und die damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen sein. Die Anklage gegen bisher sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters lautet auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung. Nicht angeklagt der Veranstalter Rainer Schaller, für mich bisher nicht nachvollziehbar.


Neues Gutachten stützt Anklage
Weiteres Gutachten zum Loveparade-Unglück. WDR bekam Einblick in die Expertise. Staatsanwaltschaft sieht sich bestätigt.

Anderthalb Monate vor Beginn des Strafprozesses (08.12.2017) zum Duisburger Loveparade-Unglück gibt es ein neues Beweisstück. Nach Angaben der Duisburger Staatsanwaltschaft handelt es sich um den ersten Teil eines neuen Sachverständigengutachtens. Der WDR konnte am Donnerstag (26.10.2017) Einblick in die Expertise nehmen. Staatsanwaltschaft sieht sich bestätigt.

Erstellt wurde es von dem Wuppertaler Experten für Veranstaltungssicherheit Jürgen Gerlach. Er sieht schwere Fehler bei der Planung und Genehmigung der Technoparty. Vorsperren, die die Menschenströme begrenzen sollten, bezeichnet er als ungeeignet. Außerdem sei es an einer Stelle enger gewesen als geplant. Hätten die Verantwortlichen das bemerkt, wäre es aus Sicht des Experten wahrscheinlich nicht zu den 21 Toten gekommen.

Nach erster Einschätzung bestätigt das neue Gutachten die Sicht der Staatsanwaltschaft. Sie hatte wegen des Unglücks vor allem Planer und Überwacher der Party angeklagt, insgesamt zehn Mitarbeiter der Stadt Duisburg und des Veranstalters. Die neue Expertise liegt nun als weiteres Beweismittel beim Duisburger Landgericht.

Die Staatsanwaltschaft hatte das neue Gutachten in Auftrag gegeben, weil eine bereits bestehende Expertise massiv in die Kritik geraten war. Das Duisburger Landgericht nahm sie sogar zum Anlass, die Anklage zunächst abzulehnen. Erst das Düsseldorfer Oberlandesgericht hatte als zweite Instanz den Weg zum Prozess doch noch freigemacht. Eine spannende Frage bleibt jedoch bislang ungeklärt. Denn viele Juristen hatten an dem alten Gutachten unter anderem kritisiert, dass es sich zu sehr auf die Planung der Loveparade konzentriere. Mögliche Fehler am Veranstaltungstag selbst seien außer Acht gelassen worden, zum Beispiel der Einsatz der Polizei. Die sitzt wegen des Unglücks im Gegensatz zu den Planern nicht auf der Anklagebank.

Abläufe am Unglückstag fehlen. Der erste jetzt fertiggestellte Teil des neuen Gutachtens zielt allerdings wieder größtenteils auf die Planung. Erst ein zweiter Teil soll sich dann mit den Abläufen am Unglückstag befassen. Nach Angaben der Duisburger Staatsanwaltschaft ist dieser Part aber noch nicht fertig.

Quelle/Beitrag: Von Benjamin Sartory WDR
http://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/neues-loveparade-gutachten-100.html

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